Censored: "Unsere Musik hilft sogar gegen Gicht"

CenSOREd: Ihr habt noch nie etwas von Censored aus München gehört? Das ist überhaupt nicht verwunderlich, denn unter diesem Namen gibt es die Band noch nicht besonders lang. Punkfreunden der Stadt dürfte die Kombo bekannt sein unter dem Namen Ray Pissed. Doch weil der Name immer wieder für Missverständnisse gesorgt hat - darunter auch völlig unbegründete Absagen von Veranstaltern für Gigs -, wurde der Diskussion um Attitüde, Plakativität und Kreativität nun ein Ende gesetzt. Das Ende eines Namens - der Beginn einer großen Karriere? Wir haben mit Sänger He-Man Powerblast über Punk im Jahr 2012, Klischees und die dunkle Seite des Musikbusiness gesprochen.

Wenn man dich kennenlernt, wirkst du eigentlich wie ein richtig netter Kerl. Das sieht auf der Bühne allerdings anders aus, oder?

Selbstverständlich. Auf der Bühne ist dann Schluss mit lustig (lacht). Punkrock hat ja auch eine gewisse Attitüde und natürlich ärgern wir uns über vieles, was so passiert. Das kommt dann in den Liedern schon zur Sprache. Nee, aber im ernst: Bei uns geht es schon auch lustig zu, schließlich sind wir keine Blackmetal Band!

Wie lange steht ihr denn schon gemeinsam als Band auf der Bühne?

Jeder von uns hat schon in diversen anderen Punkbands aus München und Umgebung gespielt. John Steam und ich, wir wollten schon länger ein gemeinsames Projekt starten, das hieß ursprünglich "John Steam and the Delivery Boys". Weil wir eine Band wie ein guter Pizzabote sein wollten: Super-schnell und geil abliefern. Tun wir jetzt auch, nur die Besetzung hat sich - wie es halt immer so ist - circa hundert Mal geändert, bis am Ende die jetzige und natürlich ultimative Besetzung stand. Das war im Frühjahr 2011.

Klassikerfrage: Ihr kennt euch alle bitte woher?

Wie schon gesagt, wir kommen alle aus der selben "Szene", wobei ich das Wort total scheiße finde. Aber wenn Leute in einer Kleinstadt wie München auf die selbe Musik abfahren, dann lernen sie sich auch früher oder später kennen. Ob sie wollen oder nicht!

Was sollte man unbedingt über Censored wissen und bestenfalls nie wieder vergessen?

Geh doch einfach auf's Konzert (zwinkert). Da wirst du es schon sehen!

Mit welchen Vorurteilen habt ihr als Punks heutzutage immer noch zu kämpfen?

Ich erlebe es leider viel zu selten, dass sich jemand richtig über mein Äußeres aufregt. Abgesehen von den Eltern natürlich. Einmal wurde ich im Bus von einer übergewichtigen Mittvierzigerin wegen meiner zerrissenen Hosen und der Frisur angemotzt, da habe ich mich natürlich gefreut und kam mir endlich mal total bad-ass vor. Leider sprang mir sofort eine Oma zur Seite und hat mich verteidigt, "lassen Sie doch den netten jungen Mann in Frieden, er hat Ihnen doch überhaupt nichts getan!" Soviel zu meiner Karriere als provokativer Outlaw (lacht). Die meisten Leute sagen einem auch eh nicht direkt, was sie von einem halten, aber das gilt nicht nur für Punks, sondern generell. People = Shit, fuck 'em!

Ist es leichter, Punk zu sein, wenn man auch ein Instrument spielen kann?

Ums Können geht's da glaub ich nicht. Ich denke, jeder, der sich schon mal eine Nietenjacke angezogen hat, hat auch irgendwann mal zumindest versucht eine Band zu gründen. Ist aber auch logisch, immerhin ist das ja eine sehr musikbetonte "Subkultur". Im Idealfall kommt dann natürlich sowas dabei rum wie Censored.

Darf man Dean Dirg, The Undertones und Bonnie Tyler gleichzeitig mögen?

Wieso nicht, ist doch alles geil. Und versuch mal zehn Jahre lang immer nur dieselben Sachen zu hören, da wirst du wahnsinnig. Immer nur Geprügel wird auch irgendwann langweilig. Mir ist wichtig, dass was rüberkommt bei dem Zeug, was ich mir anhöre. Es muss irgendwas auslösen. Wenn ich zum Beispiel gerade verlassen wurde und heulend in meinem Zimmer sitze, dann kann es auch schon mal Bonnie Tyler sein. Ich mag auch Rap. Wie sich der zum Trennungsschmerz-Verkraften eignet, habe ich aber noch nicht ausprobiert. Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass die Musik von Censored perfekt ist, um sämtliche Gemütsverstimmungen zu kurieren. Auch Gicht und andere Gebrechen soll sie bei exzessivem Hören schon geheilt haben.

Du hast selbst quasi eine Ausbildung zum Roadie gemacht. Hat man überhaupt noch Bock auf das Musikbusiness, wenn man beide Seiten der Medaille kennengelernt hat?

Nein, natürlich nicht. Wer hat denn Bock auf das Musikbusiness? Wir machen ja zum Glück alles selbst und müssen uns nicht mit irgendwelchen Leuten rumärgern, die irgendwas von uns wollen. Geld verdienen wir so natürlich auch keines. Wenn man so eine Ausbildung macht, merkt man aber, was alles dahintersteckt, wenn man auf ein Konzert geht. Ich wollte aber immer lieber selbst auf der Bühne stehen, anstatt dahinter irgendwelchen Arschlöchern alles recht machen zu müssen. Jetzt bin ich das divenhafte Arschloch, das kommt davon.

Welcher Spruch hat dich als Kind am meisten genervt und warum?

Ich glaube der selbe, der alle Kinder nervt: "Lass das!"... ist übrigens heute immer noch weit vorne dabei.

Wann uns wie hast du das letzte Mal das Gesetz gebrochen?

Ohoho, ich will jetzt kein böses Punker-Vorurteil bestätigen also sag ich hier lieber nichts. Oder meinst du es wäre gute Publicity, wenn ich hier jetzt loslege? (lacht hämisch)

Welcher war der bewegendste Moment eurer Bandgeschichte?

Eigentlich ist bei uns ständig alles in Bewegung. F*** yeah!

Bei L.G. alias He-Man Powerblast von Censored bedankt sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock / Fotoquelle: CenSOREd


(2012)


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